Nikko Weidemann



30.04.10 NIKKO WEIDEMANNJokerkonzert

Die Vielzahl seiner Veröffentlichungen zeugt von einer rastlosen Muse. Die Liste illustrer Musiker, mit denen Nikko Weidemann Studio, Bühne und Songschreibefeder geteilt hat, zeugt von Können und offenem Geist. Nun schliesst sich für den Sänger, Klavierspieler und Gitarristen ein Schaffenskreis.
„Schöne Schmerzen“ ist das erste Album, das er schlicht und aufrichtig unter seinem Geburtsnamen veröffentlicht. Und zum ersten Mal seit seinen Anfängen im post-punkigen Berlin singt Weidemann auch wieder in seiner Muttersprache: Deutsch.

Die Reise beginnt an der Zonengrenze im amerikanisch besetzten Hessen. Die musikverrückte Mutter spielt pausenlos Mozart und Udo Jürgens, die amerikanischen Soldaten dagegen James Brown und Frank Zappa, der junge Nikkolai übt am Piano Bach und Bartok. Zappa sitzt am tiefsten. Im Frühjahr
1979 folgt der 17-jährige Nikko der Sitte jener Tage und „trampt“ zum Zappa-Konzert in die Frankfurter Jahrhunderthalle. Viel zu früh ist er da. Ein Roadie erbarmt sich seiner und führt ihn auf die Bühne. Bald sitzt er hinter den Keyboards und klimpert drauflos. Als der Bandleader zum Soundcheck erscheint, ist die Jam-Session mit Nikko und einer Bande von Roadies in vollem Gange. Zappa zeigt sich beeindruckt und lädt ihn ein, sich zur Vorspielprobe in Los Angeles einzufinden. Nikko scharrt das Taschengeld zusammen und fliegt alsbald über den Atlantik. Im Grunde ist es ihm dann jedoch nicht unrecht, dass
Zappa keine Zeit hat für ihn, hat er doch inzwischen die Talking Heads entdeckt.

Zurück in Deutschland sind ganz schnell die Haare ab, auf dem Plattenteller drehen sich nun Gang of Four, Joy Division, DAF und Fehlfarben, und statt an das Berklee College of Music zieht Nikko nach Berlin. Halleluja! „Die Türen
waren offen. Innerhalb von zwei Jahren war ich total drin in mehreren Bands.“ Flucht nach Vorn mit ihrem Brückenschlag zwischen Defunkt und Kid Creole wird spektakulär.

Freundschaften mit Blixa Bargeld, Rio Reiser und Nena schlagen sich in allerhand Studiodokumenten nieder und führen dazu, dass sich Nikkos Wirkungskreis rasant erweitert. Auch Nick Cave und Gianna Nannini bedienen sich seiner Talente. In der Folge gehört er zum Kern der NDW-Supergroup 1. Futurologischer Congress. Nach längerem New York Aufenthalt formiert er 1987 mit Mad Romeo die erste eigene Band. 1992 zieht Nikko nach London, um mit Produzent Guy Chambers Ideen zu entwickeln. Mit ihm und Produzent Moses
Schneider entsteht das Album „Bird in a Cage“, veröffentlicht unter dem Namen Nikko & The Passion Fruit. In New York entsteht ein weiteres Passion Fruit-Album.  

2003 zieht es Nikko nach Berlin zurück. Vorerst konzentriert er sich auf Filmmusik. Sein Song „Don’t Stress Out“ wird Titelmusik der Sitcom „Bewegte Männer“. Er schreibt Lieder und Filmmusiken für Filme wie „Gegen die Wand“, „Märzmelodie“ und „Requiem“.

„Wart auf Mich“ ist noch mit zwei Augen entstanden und „Wie ein Idiot“ auch.“ Dann sitzt Nikko eines Abends vor einer Bar in Berlin, ein Fremder beleidigt seine Begleiterin, Nikko spricht ihn an. Bevor er daran denken kann aufzustehen, rammt ihm dieser Mann, den er zuvor nie gesehen hat, aus
dem Nichts ein Glas ins Auge. Das Album wäre sicherlich auch entstanden, wenn das nicht passiert wäre. Aber es hat eine existentielle Verdichtung geschaffen, die diese Platte prägt.“ „Schöne Schmerzen“. Niemand anders hätte diese Sammlung von neuen, deutschen Chansons schaffen können.

Darum steht auf dem Cover auch kein cleverer Bandname, sondern einfach: Nikko Weidemann

Café Kanitz | Beginn: 20.00 Uhr | Tickets: VVK 5 €/AK 7 €

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